AKTUELLE PROJEKTE

Nachhaltige Integrationsarbeit

Der gebogene Regen-
Frauen mit Behinderungen schreiben Lebensgeschichten

Mädchen sind anders - Jungen auch...

KEB zum Thema

GLOBAL.FAIR

Bürgerschulen für Europa

 

Nachhaltige Integrationsarbeit

Eine Fortbildung der Ländlichen Erwachsenenbildung in Niedersachsen e.V. im Garten- und Landschaftsbau in Kooperation mit sozialen Einrichtungen


Die Idee

Zum Weltgipfel für Nachhaltige Entwicklung im September 2002 in Johannesburg hat die Bundesregierung die deutsche Nachhaltigkeitsstrategie veröffentlicht. Ein zentrales Kapitel ist die Lebensqualität.
Auszug: "Der Begriff Nachhaltigkeit klingt spröde und sperrig, hat aber einen ganz vitalen und letztlich einfachen Kern: Es geht darum, für jedermann, jetzt und in Zukunft, eine gute Lebensqualität zu erhalten und wo möglich zu verbessern. Jeder soll die Möglichkeit haben, sein Leben in die Hand zu nehmen, zu lernen und zu arbeiten, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen und eingebettet in ein Netz sozialer Beziehungen in einer gesunden und sicheren Umwelt zu leben. Der Mensch mit seinen Möglichkeiten und seiner Verantwortung steht im Mittelpunkt."

Zielsetzung - "Nachhaltige Integrationsarbeit"

In den letzten Jahren hat ein unumkehrbarer Zuwanderungsprozess aus den osteuropäischen Ländern stattgefunden; dies muss zwangsläufig zu einer deutlichen Verbesserung der bisherigen Integrationsarbeit führen. Eine wichtige Voraussetzung für diese verstärkte Integrationsarbeit ist ein Bekenntnis der Aus- und UmsiedlerInnen zu unserem demokratischen Gemeinwesen.

Dieses Bekenntnis zu den gesellschaftlichen Grundwerten kann von dieser Bevölkerungsgruppe nur im ausreichenden Maß geleistet werden, wenn die Anschauungen und Vorstellungen in diesem für die meisten Aus- und UmsiedlerInnen fremden Land verstanden und gelebt werden können. Dazu muss die deutsche Sprache ausreichend beherrscht werden; für die Integration auf dem hiesigen Arbeitsmarkt sind weitere Schlüsselkompetenzen erforderlich.

Des Weiteren müssen die Aus- und UmsiedlerInnen in Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung kommen, um deren Ängste und Nöte, gerade in Zusammenhang mit dem eigenen Arbeitsplatz, nachvollziehen zu können. In der beruflichen Qualifizierung kann es also nicht nur um die bloße Erlangung von praktischen und theoretischen Fertigkeiten gehen, sondern diese Fertigkeiten müssen gemeinsam mit den Menschen in diesem Land erlernt werden.

Partnerschaften, Bündnisse, Allianzen - das sind die Antworten auf die Frage, wie Nachhaltigkeit in der Praxis umgesetzt werden kann, wie die Herausforderungen der Globalisierung, der Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit, der Schaffung neuer Arbeitsplätze gelöst werden können. Die Fortbildung organisiert das kooperative Zusammenwirken vieler Akteure innerhalb und außerhalb der Fortbildung.
Aus den Erfahrungen abgeschlossener Fortbildungen wurden Bruchlinien zwischen Aussiedlern und deutschen Mitbürgern deutlich. Beide Seiten verhärten ihre Vorurteile und Ängste. Die Fortbildung will Brücken zu sozialen Einrichtungen bauen und damit Dialog ermöglichen.

Es erscheint auf den ersten Blick schwierig, eine Partnerschaft zwischen einer Fortbildungsgruppe und einer sozialen Einrichtung aufzubauen; mit unserer fachlichen Ausrichtung im Bereich des Garten- und Landschaftsbaus können wir diesen Ansprüchen ein gutes Stück näher kommen.

Umsetzung

Wir bilden eine Gruppe aus 10 Männern und 10 Frauen, die allesamt eine allgemeine Vorbildung im gärtnerischen Bereich haben. Dies kann bei diesem Personenkreis (30 bis 55 Jahre) erwartet werden, da die meisten Familien in ihren Heimatgebieten ein hohes Maß an Selbstversorgung durchgeführt haben. Diese gärtnerischen und baulichen Grundkenntnisse werden sinnvoll gefördert und durch Anleiter (Gartenbaulehrer, Gärtnermeister und Gartenbauingenieure) auf ein solides theoretisches und praktisches Fundament gesetzt. Die Vertiefung des Wissens im Garten- und Landschaftsbau geschieht in entsprechenden Bau- oder Pflegeprojekten. Solche Projekte zeichnen sich durch ihren Baustellencharakter aus, d. h. viele Teilgebiete (Pflanzenkenntnisse, Bodenbearbeitung, handwerkliche Techniken usw.) werden ganzheitlich am Projektstandort "Baustelle" vermittelt. Arbeitsgänge müssen beplant und abgesprochen werden, wie es später im Betrieb gefordert wird. Da wir mit dem gewerblichen Garten- und Landschaftsbau nicht in Konkurrenz treten, dürfen diese Projekte ausschließlich im gemeinnützigen sozialen Bereich angesiedelt sein. Solche Einrichtungen, wie z. B. ein Kindergarten in freier Trägerschaft, haben aufgrund der stark verminderten Zuschüsse aus den öffentlichen Haushalten nicht die Möglichkeit einen Garten- und Landschaftsbaubetrieb mit der Neugestaltung und der Pflege ihrer Außengelände zu beauftragen. Die Einrichtungen greifen hierbei auf die ehrenamtliche Hilfe der Elternschaft zurück. Die gemeinsamen Bauaktionen bringen Eltern, Mitarbeiter der Einrichtungen und die Teilnehmer der Fortbildung zusammen. Im praktischen Tun und Kennen lernen entstehen die Brücken von Verständnis durch Verstehen.

Gleichzeitig können die Teilnehmer/innen der Fortbildungsmaßnahme sinnvoll unter fachlicher Anleitung das Handwerk des Garten- und Landschaftsbaus erlernen. Integration entsteht auf zwischenmenschlicher Ebene und nicht dadurch, dass man eine Randgruppe für sich allein beschult. Diese Brücke ist ein neues Element in der nachhaltigen Integration.

Die fachliche Ausbildung der Fortbildung deckt die gesamte Bandbreite des Garten- und Landschaftsbaus ab. Hier wären die Pflanzarbeiten, Pflegearbeiten, Steinarbeiten, Holzarbeiten und nicht zuletzt die Anlage von Teichen oder Wasserspielen zu nennen. Dies kann natürlich nicht ohne eine Vermittlung von theoretischen Grundlagen erfolgen, die dann an einem Schultag in der Woche vermittelt werden.

Da diese Fortbildungsgruppe i. d. R. nur über unzureichende Sprachfähigkeiten verfügt, müssen Teilnehmerinnen in der deutschen Sprache unterrichtet werden. Der Deutschunterricht wird durch Exkursionen und Besichtigungen innerhalb des Stadtgebietes methodisch unterstützt. Die Lerneffizienz bei Erwachsenen ist höher, wenn alle Sinne beteiligt sind. Das Vokabular hat alltagssprachliche Relevanz für den Teilnehmer.

Diese Fortbildung im Garten- und Landschaftsbau soll sowohl den kognitiven Bereich ansprechen, als auch die soziale Integration dieser Bevölkerungsgruppe fördern und damit eine Eingliederung in den hiesigen Arbeitsmarkt ermöglichen.

Mit dem erlernten praktischen und theoretischen Fachwissen werden die Teilnehmerinnen drei betriebliche Praktika innerhalb der 12 - monatigen Fortbildung absolvieren. Dies führt zu einer Vertiefung der bislang erlernten Fertigkeiten, viel wichtiger ist aber die Kenntnis über die Betriebsabläufe in einem Garten- und Landschaftsbaubetrieb. Aus diesen betrieblichen Kontakten werden sich Arbeitsmöglichkeiten für die Teilnehmerinnen entwickeln, die dann vom Bildungsträger zumindest in der Anfangsphase begleitet und gefördert werden.

Die Fortbildungsmaßnahme erlaubt zum ersten Male eine enge Kooperation zwischen einer sozialen Einrichtung im Stadtgebiet und einer Fortbildungsgruppe. Alle nachfolgenden Bildungsmaßnahmen bzw. deren Teilnehmer/innen werden wiederum in diese Projekte integriert, durch fortlaufende Pflegemaßnahmen des neu gestalteten Außengeländes. Gleichzeitig werden diese Gruppen auch ein "eigenes" Projekt bearbeiten.

Berücksichtigung von Gender Mainstream

Die Gleichstellung von Frauen und Männern wird berücksichtigt. Beide Gruppen haben einen freien Zugang zur Fortbildung. Die Teilnehmerzahl von 20 wird paritätisch mit Frauen und Männern besetzt, wobei die unterschiedlichen Voraussetzungen und Bedingungen berücksichtigt werden. Am Beispiel: Die Unterrichtseinheit "Pflastern" ist mehr auf die Männer zugeschnitten. Parallel werden die Frauen in der Floristik ausgebildet.

Hintergrund und bisherige Erfahrungen

Bereits seit Februar 2001 führt die Ländliche Erwachsenenbildung Hannover in Zusammenarbeit mit dem Sozialamt und der Bezirksregierung Hannover diese Qualifizierungsmaßnahme durch. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen sind Spätaussiedler/innen aus den unterschiedlichsten Gebieten der ehemaligen Sowjetunion (z.B. Kasachstan, Ural, Sibirien). Die meisten Teilnehmer/innen leben erst ein bis zwei Jahre in der Bundesrepublik Deutschland und stehen im Leistungsbezug des Sozialamtes der Landeshauptstadt Hannover und der Region Hannover. Finanziert wird die Qualifizierungsmaßnahme aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds.
Der Arbeitstitel dieser Fortbildung heißt "Grüne Berufe" - aus diesem Titel ist ersichtlich, dass die Teilnehmer/innen im gesamten grünen Berufsfeld qualifiziert werden sollen. Der Gartenbau in Deutschland unterteilt sich in sieben Fachsparten. Schwerpunkte der "Grünen Berufe" bilden dabei der Garten- und Landschaftsbau, Gemüse- und Zierpflanzenbau und die Floristik. Sowohl in theoretischen als auch fachpraktischen Unterrichtseinheiten und Unterweisungen werden die Lerninhalte vermittelt.
Ein großer Teil dieser Gruppe ist hoch motiviert, die Teilnehmer/innen bringen allesamt große gärtnerische Vorerfahrungen (Selbstversorger in der Heimat) mit und gehörten zum Teil in ihrer Heimat zur Bildungselite (Apothekerin, Lehrer, Ingenieure, Juristen etc.). Insgesamt sind die Schülergruppen ein Jahr bei der Ländlichen Erwachsenenbildung, wobei insgesamt 12 Wochen Praktikum in unterschiedlichen Betrieben im Stadtgebiet von Hannover oder der Region Hannover absolviert werden. Die Gruppenstärke ist auf 20 Teilnehmern/innen begrenzt. Alle bisherigen Qualifizierungsmaßnahmen wurden von einem Dipl.-Ing. für Landespflege betreut, daneben gibt es noch eine Deutschlehrerin und einen Sozialpädagogen. Zur Zeit wird die vierte Maßnahme in Folge durchgeführt.
Wie vorab beschrieben, sind nicht nur die fachliche Schulung, sondern auch die Integration der Spätaussiedler erklärtes Ziel dieser Maßnahme. Das Leitungsteam steht für Hilfe und Beratung in alltäglichen Problemen zur Verfügung. Für uns sind viele Dinge Gewohnheit, jedoch für die Kursteilnehmer/innen ist vieles neu und noch unbekannt. Bemerkbar macht sich dieses oft in Unsicherheit und Zurückhaltung, auch in der Kontaktaufnahme zur Bevölkerung. Hier versucht die Ländliche Erwachsenenbildung die Hemmschwellen abzubauen, insbesondere auch durch die begleitende sozialpädagogische Betreuung.
Probleme während der Schulung gibt es hauptsächlich durch Verständigungsschwierigkeiten d.h. die Deutschkenntnisse der meisten Teilnehmer/innen sind am Anfang eher als sehr gering einzustufen. Aus diesem Grund gibt es an zwei Tagen in der Woche Deutschunterricht, um die sprachlichen Kenntnisse zu verbessern. Der Deutschunterricht ist unbedingt notwendig für dieses Klientel, um in der Berufswelt auch eine mögliche Chancengleichheit mit den einheimischen Arbeitskollegen zu erreichen.
Die fachpraktischen Übungen finden im Rahmen von Projektarbeit statt und sollen das theoretisch Gelernte auf den Alltagseinsatz übertragen und gleichzeitig Möglichkeiten zur Lösung von Praxisproblemen bieten. Solch ein Projekt kann z.B. die Gestaltung einer Außenanlage eines Kindergartens oder Pflegeeinsätze auf Sportplätzen sein. Die Baustellen liegen im gesamten Stadtgebiet von Hannover, die die Teilnehmer/innen mit Bus und Straßenbahn erreichen. In der Projektarbeit ist auch ein integrativer Ansatz zu finden, denn hierdurch entstehen Kontakte und Annäherungen zwischen der Gruppe und den Mitarbeitern/innen der jeweiligen Einrichtungen.

Das letzte größere Projekt war die Umgestaltung eines heilpädagogischen Kindergartens in Hannover- Anderten. Dabei wurden sämtliche vorhandene Gartenwege abgebaut und barrierefrei neu mit Platten verlegt (ca. 140-150m²). Bei dieser Gelegenheit wurde auch ein vorhandener Sandkasten vergrößert und mit Holzpalisaden neu eingefaßt (anstelle der vorherigen Betonelemente).
Die Floristikschulung findet in zwei Blöcken, zu Weihnachten und Ostern, statt. Im Rahmen eines Seminars werden z.B. Adventskränze gebunden und geschmückt oder zu Ostern Tischdekorationen entworfen oder Sträuße gebunden.
Das Praktikum in einem privatwirtschaftlichen Betrieb soll den Schüler/innen einen direkten Kontakt zur hiesigen Arbeitswelt vermitteln; evtl. aber auch für Betrieb eine Möglichkeit darstellen, einen künftigen Arbeitnehmer/in nicht ausschließlich über ein Bewerbungsschreiben oder ein Vorstellungsgespräch kennenzulernen. Einige Teilnehmer/innen konnten über ihr absolviertes Praktikum eine Arbeit finden.
Durch die bisher drei erfolgreich durchgeführten Maßnahmen konnte die Ländliche Erwachsenenbildung einen wichtigen Beitrag zur Integration der Teilnehmenden in unsere hiesigen Gesellschaft leisten.


 

Kontakt:

Dipl. Ing. agr. Andreas Dieke
Leiter LEB Fort- und Ausbildungsstätte
Heisterbergallee 12
30453 Hannover - Ahlem
Tel.: 0511 - 51500-200
Fax: 0511 -51500-210
e-mail: ahlem@leb.de

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"Bund macht schlau" heißt es in diesem Jahr vielerorts in Niedersachsen. Der Niedersächsische Bund für freie Erwachsenenbildung feiert sein 50-jähriges Bestehen.

Aus diesem Anlass haben wir im Frühjahr den Innovationspreis für neue Wege in der Erwachsenenbildung verliehen. Im Sommer gab uns ein Jubiläumsfest die Gelegenheit, auch in schwierigen Zeiten stolz auf 50 Jahre niedersächsischen Zusammenhalt zurück zu blicken.

Für den Herbst steht nun "Erwachsenenbildung im Kino" auf dem Programm.

Unter dem Motto "Film macht schlau" zeigten wir am 15. November 2004 im Graffiti am Raschplatz in Hannover die Filmdokumentation


"Der gebogene Regen-
Frauen mit Behinderungen schreiben Lebensgeschichten"

von Eve Rennebarth.

Im Mittelpunkt stehen acht Frauen, die an der Frauen-Schreiben-Werkstatt der Volkshochschule Ganderkesee teilgenommen haben. Dieses Projekt wurde mit dem Innovationspreis des Niedersächsischen Bundes ausgezeichnet.

In dieser autobiographischen Schreibwerkstatt machen sich acht Frauen mit Behinderungen auf die Reise. Sie erforschen ihre Geschichte, ihre Wurzeln und werden von der Projektleiterin Renate Kablitz mittels ungewöhnlicher Methoden in ihrem Wunsch nach individuellem Ausdruck bestärkt. Auf der Suche nach der eigenen Sprache unterstützen sie sich gegenseitig und geben Kritik und Anregungen, wenn das Entstandene in der Gruppe vorgetragen wird. Acht Monate begleitet die Filmemacherin Eve Rennebarth die acht Protagonistinnen und die Entstehung ihrer Werke. Jede Autorin wird mit einem ihrer Texte vorgestellt.
Der Film "Der gebogene Regen" möchte zu alternativen Formen des Lernens und der Zusammenarbeit ermutigen und zeigen,dass Anders-Sein eine Bereicherung für alle ist.

(23.11.2004)
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Mädchen sind anders - Jungen auch...
Die Bedeutung von Geschlechterrollen in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen

Wie kann man Kinder und Jugendliche am besten auf das Leben vorbereiten? Mit welchen Themen und Bedürfnissen beschäftigen sie sich in den unterschiedlichen Altersstufen und welche Rolle spielt dabei eine geschlechterbewusste Pädagogik?

Die gängige koedukative Pädagogik in Schule und Jugendarbeit kommt hier an ihre Grenzen, weil die Bedürfnisse von Jungen und Mädchen unterschiedlich sind. Um gesellschaftlichen Problemen frühzeitig zu begegnen wird es immer wichtiger, bedürfnisorientierte pädagogische Konzepte zu entwickeln, um die Kinder und Jugendlichen wirklich zu erreichen.

Um auf diese gesellschaftlichen Anforderungen zu reagieren, konzipierte die VNB-Geschäftsstelle Göttingen zusammen mit der Stiftung Leben & Umwelt und 16 weiteren Kooperationspartnern aus Göttingen und Hannover eine Veranstaltungsreihe mit dem Titel

"Let's talk about gender! Mädchen und Jungen im Blick geschlechterbewusster Pädagogik".

Genderkompetenz heißt hier das Zauberwort! Dahinter verbirgt sich das Hinterfragen gesellschaftlich bedingter Geschlechterrollen und ihrer Auswirkungen, eine konkrete Handlungskompetenz, die Pädagogen und Erziehungsberechtigte befähigt, geschlechterbewusste pädagogische Konzepte in die Praxis umzusetzen und eine Reflexion der eigenen Rolle als Mann bzw. Frau im Erziehungsprozess.

Die Veranstaltungsreihe "Let's talk about gender!" richtet sich auf der einen Seite an pädagogische Fachkräfte aus Kindergärten, Schulen und Berufsschulen und Institutionen der Jugend- und Sozialarbeit und auf der anderen Seite an Eltern und ehrenamtlich pädagogisch Arbeitende.

Geschlechtsbezogene Pädagogik wird in der Regel mit gleichgeschlechtlicher Arbeit gleichgesetzt, d.h. Pädagoginnen arbeiten mit Mädchen und Pädagogen mit Jungen. Der Blick auf das jeweilig andere Geschlecht kann aber in mehrfacher Hinsicht Sinn machen. Zum einen ist eine geschlechtshomogene Arbeit strukturell nicht immer umzusetzen, z.B. in gemischten Jugendgruppen, Schulklassen etc. Zum anderen gibt es häufig auch nicht sowohl eine Pädagogin als auch einen Pädagogen, um getrennt zu arbeiten. Dass es nicht nur sehr spannend, sondern auch notwendig ist, einmal anders zu denken und neue Erfahrungen in der gegengeschlechtlichen Arbeit zu sammeln- sozusagen quer zu arbeiten-, das soll in den Seminaren deutlich werden.

Innovativ an der Veranstaltungsreihe ist, dass systematisch geschlechterbewusste Ansätze und Methoden der Mädchen- und Jungenarbeit unter dem Fokus der Koedukation produktiv gemacht werden. Methodisch wird das konsequent umgesetzt, indem zum Beispiel jedes Seminar von einer Referentin und einem Referenten geleitet wird. Darüber hinaus finden Diskussionen und die Arbeit in Kleingruppen sowohl in geschlechtshomogenen als auch in gemischtgeschlechtlichen Gruppen statt.

Die ein- oder zweitägigen Fortbildungen sind entweder themenbezogen (Sexualpädagogik, Berufsorientierung und Lebensplanung, Selbstbehauptung und Gewaltprävention) oder sie beziehen sich auf besondere Arbeitsfelder, wie zum Beispiel Kindergärten, Grundschulen, Horte und Jugendverbände.
Der Bildungsurlaub "Dialog der Geschlechter. Grundlagen geschlechtsbezogener Pädagogik" ermöglicht darüber hinaus einen grundsätzlichen Einstieg in den Bereich der geschlechtsbezogenen Pädagogik.
Die dreiteilige Blockveranstaltung "Geschlechtsbezogene Pädagogik mit Mädchen und Jungen - praxiserprobte Konzeptionen" richtet sich dagegen an Interessierte, die sich vertiefend mit geschlechtsbezogener Pädagogik auseinandersetzen wollen.

Neben den theoretischen Hintergründen geht es aber vor allem darum, den unterschiedlichen Bedürfnissen und Fragen der Jungen und Mädchen in allen Altersstufen gerecht zu werden.

"Während die Jungs in Kindergärten die ganze Zeit toben, kämmen die Mädchen ihren Puppen die Haare...." Stimmen solche Klischees immer noch und wie können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kindergärten und Horten ihre Arbeit durch den geschlechtsbewussten Blick verändern? Gerade in diesem Lebensalter, wo frühkindliche Erfahrungen mit dem eigenen Körper und der eigenen Geschlechtlichkeit ihren Raum brauchen und die Kinder Beziehungen aufnehmen und gestalten, werden wichtige Meilensteine für die Persönlichkeitsentwicklung und Sozialisation des Kindes gelegt. Deshalb sind auch die Prinzipien einer geschlechtsbewussten (Sexual)Pädagogik und die Reflexion persönlicher Geschlechterbilder Themen der Fortbildung.

In den Workshops für Lehrer und Lehrerinnen an Grundschulen geht es darum die persönliche und berufliche Sichtweise und Haltung im Umgang mit Jungen und Mädchen zu reflektieren, theoretische Ansätze und praktische Methoden einer geschlechterbewussten Pädagogik kennen zu lernen und schließlich der Frage nachzugehen, wie diese konkret im schulischen Alltag umgesetzt werden können.

Wie bewältigen Mädchen und Jungen die anstehenden Entwicklungsaufgaben?
Wie wirken sich bestimmte Geschlechterklischees aus?
Wie gehen Mädchen und Jungen mit Konflikten um?
Wie gestalten sich Prozesse der Geschlechterrollenaneignung? Solche Fragen werden außerdem diskutiert.

Lehrerinnen und Lehrer an weiterführenden Schulen und Berufsschulen haben neben der Vermittlung von Inhalten die komplexe Aufgabe, die Jugendlichen im Prozess der Berufsorientierung und Lebensplanung zu unterstützen.

"Jungen sind die Verlierer in der Schule", "Mädchen sind nach wie vor bei der Berufswahl benachteiligt", "Mit Mädchen zu arbeiten ist viel einfacher", "Gewalt ist ein Jungenproblem" ... Diese und andere Aussagen über Mädchen und Jungen sind weit verbreitet. Und tatsächlich gestalten sich die Lebensrealitäten und das Erleben des Alltags vielfach unterschiedlich für Mädchen und Jungen. Auch hier spielt die geschlechtsbezogene Pädagogik eine wichtige Rolle. Pädagogen und Pädagoginnen sollen Unterstützung erhalten, wenn es darum geht, die Jungen und Mädchen durch die schwierigen Jahre der Pubertät zu begleiten. Eine geschlechterbewusste Haltung ist wichtig, um nicht nur reines Faktenwissen zu vermitteln, sondern auch die jugendliche Identitätsfindung als Frau bzw. Mann zu unterstützen. Dazu müssen sich die Pädagoginnen und Pädagogen immer auch klar machen, welche Rolle das eigene Frausein bzw. Mannsein in der pädagogischen Arbeit spielt.

Berufsorientierung - Berufswahl - Lebensplanung - Identitätsentwicklung: für die Jugendlichen ist es nicht leicht, den passenden Beruf zu finden. Gerade in Zeiten wachsender Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit müssen sie sich auf ihre Fähigkeiten und Stärken besinnen. Die Berufswahl ist eng mit der Lebensplanung und der Suche nach Selbstverwirklichung verknüpft. Der Prozess der beruflichen Orientierung stellt sich für Jungen und Mädchen differenziert dar, da sie nach unterschiedlichen Kriterien auswählen.

Für Mädchen stellt sich häufig die Frage, ob der Beruf mit der Familienplanung zu vereinbaren ist. Diese Frage haben Jungen kaum im Bewusstsein. Sie befinden sich zwischen lebensplanerischer Perspektivlosigkeit und der Vorstellung eines gradlinigen beruflichen Werdegangs mit nachrangigem familiären Engagement.

Im außerschulischen Bereich bekommen Jungen und Mädchen besonders in der Jugendverbandsarbeit die Möglichkeit, unterschiedliche Geschlechterrollen kennen zu lernen, auszuprobieren und sie in ihren Alltag zu integrieren. Sie haben Freiräume und erfahren Unterstützung für die selbstbestimmte Gestaltung ihres Lebensumfeldes.
Die Veranstaltungsreihe wendet sich auch an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Jugendverbandsarbeit. Sie sollen ihr eigenes Rollenverhalten analysieren und reflektieren und Chancen, Möglichkeiten und Grenzen einer geschlechtsbewussten Jugendverbandsarbeit erarbeiten.

Zum Abschluss der Veranstaltungsreihe findet am 2. Dezember 2004 im Ratssaal des Neuen Rathauses in Göttingen der Fachtag "Genderperspektiven in der pädagogischen Arbeit" statt. Prof. Dr. Hannelore Faulstich-Wieland, Universität Hamburg, und Christine Biermann, Universität Bielefeld werden mit Olaf Jantz, Universität Hannover, Medium e.V. Göttingen und Tim Rohrmann, Dipl. Psychologe & Autor, Wechselspiel - Institut für Pädagogik und Psychologie Denkte/Braunschweig ‚ihre' Genderperspektive vorstellen. Sie diskutieren, welche Formen geschlechterbewusster Pädagogik es gibt und welchen Stellenwert diese in Wissenschaft und pädagogischer Ausbildung einnehmen. Außerdem wird es darum gehen zu klären, wann geschlechtshomogene Arbeit sinnvoll ist und ob Mädchen- und Jungenarbeit zur Auflösung tradierter Geschlechterrollen beitragen oder sie durch die geschlechtshomogene Arbeit eher noch bestärken. Der Fachtag soll Raum geben für kritische Selbstreflexionen zum Thema geschlechtsbewusste Pädagogik.


Kontakt:
Verein Niedersächsischer Bildungsinitiativen e. V. (VNB)
Warmbüchenstraße 17
30159 Hannover
Fon 0511 / 30766-0
Fax 0511 / 3076633
http://www.vnb.de
info@vnb.de

(18.08.2004)

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KEB zum Thema
Ein Projekt der Katholischen Erwachsenenbildung in der Diözese Hildesheim

"Wie viel Religion braucht die Gesellschaft?" Um eine Antwort auf diese Frage zu hören bzw. darüber mit dem Ersten Bürgermeister der Freien Hansestadt Bremen, Dr. Henning Scherf, ins Gespräch zu kommen, drängten sich an einem Samstagmittag über 120 Menschen im Kirchenladen [ka:punkt] in Hannover. Diese Veranstaltung war angesiedelt im Rahmen des Projekts "KEB zum Thema".

Unter diesem einheitlichen Design versucht die Katholische Erwachsenenbildung an zentralen oder interessanten Orten des Bistums und mit besonderen methodischen Elementen, Themen und Tendenzen aus den Bereichen Religion, Ethik, Kultur, Gesellschaft "unter die Lupe" zu nehmen und in den öffentlichen Diskurs einzubringen. Inzwischen haben neun Veranstaltungen bzw. Veranstaltungsreihen stattgefunden:

 

 

1. Tagung:

"Der Mensch ist unheilbar religiös - Was glaubt, wer glaubt?"

Im Mittelpunkt dieser Tagung im Römer- und Pelzäus-Museum in Hildesheim stand die Frage nach dem Stellenwert von Religion und der Gebrauch säkularisierter religiöser Riten und Symbole im Alltag etwa im Sport ("Schalke unser"), der Werbung (als "Raubritter des Religiösen") oder der (Auto)Industrie. Diese Veranstaltung stieß innerhalb und außerhalb unserer Diözese auf ein breites Interesse. Die Tagungsdokumentation, erschienen als Heft 1 der Schriften der Katholischen Erwachsenenbildung in der Diözese Hildesheim, wurde auch aus anderen Diözesen und Landeskirchen angefordert, so dass inzwischen diese Auflage vergriffen ist. Darüber hinaus wurden Einzelthemen der Tagung vor Ort vertieft. So fand z. B. in Hannover - organisiert und moderiert von der KEB - eine Talkrunde mit einem der Referenten der Tagung, Prof. von Soosten und Verantwortlichen des Fußballvereins Hannover 96 zum Verhältnis von Religion und Sport statt und das Bildungswerk Celle griff den Impuls auf, sich mit religiösen Elementen in der Werbung zu beschäftigen.

 


2. Fachtagung für Führungskräfte in Kirche und kirchlichen Organisationen:

"Die Lernende Organisation."

Die Fachtagung verfolgte das Ziel, Führungskräfte aus dem Bereich der Kirche(n) mit dem Konzept der "lernenden Organisation" vertraut zu machen. Dieses Prinzip zur Verbesserung von Lern- und Arbeitsbedingungen wird inzwischen weltweit in Wirtschaft, Industrie und Handel angewandt und ist sicherlich auch für den Bereich der Kirche von Interesse. Ein interessantes methodisches Element dieser Veranstaltung war die Zusammenarbeit mit der Künstlerin Hertha Ahnefeld, bekannt unter ihrem Künstlernamen "die Clown Pellegrini". Mit den - für diese Zielgruppe eher ungewohnten - Mitteln des Humors, der Satire und der Groteske wurde erfolgreich versucht, die Inhalte der Tagung zu reflektieren und zu vertiefen.

3. Podiumsgespräch:

"Der Krieg gegen den Irak - Ein gerechter Krieg?"

Aus aktuellem Anlass wurde dieses Thema in einem Podiumsgespräch diskutiert. Der Leiter des Instituts für Theologie und Frieden aus Barsbüttel bei Hamburg, Dr. Heinz Gerhard Justenhoven und Prof. Dr. Gerhard Kruip vom Forschungsinstitut für Philosophie, Hannover stellten die kriegskritischen Stellungnahmen der Katholischen Kirche, die Positionen der Kriegsbefürworter dar und informierten über aktuelle Entwicklungen.

Mit dieser Veranstaltung, in der sehr ausführlich die friedensethische Position der Katholischen Kirche thematisiert wurde, war die KEB "Trendsetter" in Hannover. Der NDR Hörfunk berichtete ausführlich in der Sendung "Treffpunkt Diesseits" darüber, andere Bildungseinrichtungen boten in der Folge thematisch ähnlich gelagerte Veranstaltungen an.


4. Vortrags- und Diskussionsveranstaltung:

"Quo vadis Schule? - Veränderungen in der Niedersächsischen Schulpolitik."

Die neuesten Entwicklungen in der niedersächsischen Schulpolitik nach dem Regierungswechsel wie die Stärkung des Bildungsauftrages des Kindergartens, die Abschaffung der Orientierungsstufe, die Stärkung der Hauptschule und die Verkürzung der Gymnasialzeit standen im Mittelpunkt einer Vortrags- und Diskussionsveranstaltung mit dem Leiter des Referats schulische Innovation im Niedersächsischen Kultusministerium, Heinz Wilhelm Brockmann.

Im Mittelpunkt der anschließenden Diskussion wurde u. a. gefragt, inwieweit die ambitionierten Reformen im Spagat von Finanzsituation des Landes und politischem Selbstanspruch durchzuhalten sind und welche konkreten Veränderungen zum neuen Schuljahr auf Eltern, Lehrer und Schüler zukommen. Umrahmt wurde diese Veranstaltung durch Musikbeiträge von Schülerinnen und Schüler der Ludwig-Windthorst-Schule in Hannover, um zu verdeutlichen, dass Bildung und Schule nicht nur eindimensional kognitive Prozesse vermitteln. Auch diese Veranstaltung bzw. dieses Veranstaltungskonzept wurde anderenorts gerne aufgegriffen.


5. Tagung:

"Lässt sich Gott physikalisch beweisen?"

Einen eher theoretischen Ansatz verfolgte die Tagung "Lässt sich Gott physikalisch beweisen", die gleichzeitig als Akademikertag 2003 der Diözese Hildesheim ausgeschrieben war. Dem Natur- und Technikphilosophen Prof. Dr. Hans Dieter Mutschler aus Frankfurt ging es in seinen Überlegungen zum Verhältnis von Theologie und Naturwissenschaften weniger um eine ethische Fragestellung, wie sie beispielsweise in der bioethischen Diskussion eine Rolle spielt, sondern vielmehr um eine wissenschaftstheoretische Verhältnisbestimmung von Theologie und Physik.


6. Projekt:

"Alzheimer-Woche"

Dieses Projekt, das an anderer Stelle des Jahresberichts noch ausführlicher beschrieben wird, war mit ca. 80 Teilnehmenden die größte Veranstaltung aus der Reihe KEB zum Thema. Sie richtete sich besonders an pflegende Angehörige sowie ehrenamtlich und professionell in der Pflege Tätige. Neben den medizinischen und pflegerischen Aspekten der Krankheit wurden im Rahmen dieser Tagung insbesondere die sozial- und gesundheitspolitische Dimensionen dieser Krankheit diskutiert.


7. Veranstaltung:

"Der inszenierte Mensch - im Spannungsfeld von Religion und Medien."

Dem Spannungsverhältnis sowie den Berührungspunkten von Religion und Medien nachzuspüren, stand im Mittelpunkt dieser Veranstaltung, die als Jahrestagung der KEB in der Diözese Hildesheim im Fernsehstudio h 1 in Hannover stattfand. Der Schriftsteller und evangelische Theologe Prof. Dr. Dr. Klaas Huizing entfaltete seine These von der gemeinsamen Zielsetzung von Religion und Medien, "das Fernstehenste dem Menschen nahe zu bringen"

Ergänzt wurden die theologischen Überlegungen aus der Praxis und der Sicht der Leiterin der Abteilung Infotainment beim Fernsehsender RTL in Köln, Agnes Ostrop.

In der anschließenden Diskussion wurde das Spannungsverhältnis von Medientheorie und -praxis durch eine Runde aus MedienmacherInnen, -verantwortlichen, -nutzenden und ErwachsenenbildnerInnen aufgegriffen und Ideen und Perspektiven zum Verhältnis von Religion und Medien diskutiert. Großen Anklang fand bei den Teilnehmenden dieser Veranstaltung, dass die Tagung im Ambiente eines Fernsehstudios stattfand und dadurch die Thematik unmittelbar erfahrbar wurde.


8. Themen-Veranstaltung:

"Ins Regal oder auf den Friedhof?" Oder: "Wie sollen Menschen in Zukunft bestattet werden?"

Diese Frage steht in verschiedenen Bundesländern - so auch in Niedersachsen - im Mittelpunkt einer Gesetzesdiskussion. Bürger sollen das Recht bekommen, über Verbleib von Urne und Asche nach ihrem Tode zu bestimmen.

Angehörige können auf Antrag die Urnen nach der Einäscherung mitnehmen und z. B. im eigenen Garten beisetzen. Zudem soll es künftig öffentliche Aschestreufelder oder "Friedwälder" geben. Beim Streit um die Änderung der Gesetze geht es neben Menschenwürde und Pietät aber auch um Geld. Wer sparen will wählt Feuer, entscheidet sich für eine anonyme Grabstelle oder verzichtet auf eine Trauerfeier. Besteht nicht die Gefahr, dass in Zukunft nur noch die "kostengünstige Beseitigung der Biomasse Leichnam" geregelt wird? Sind eine angemessene Totenruhe und eine würdige Trauerarbeit dann noch gewährleistet? Bietet eine Veränderung der Bestattungsgesetzgebung aber nicht auch Chancen für eine neue Kultur des Trauerns? Diesen Fragen wurde im Rahmen einer KEB zum Thema "Veranstaltung mit Politikerinnen, Bestattern, Seelsorgern" nachgegangen. Mit diesem Thema beteiligte sich die KEB in der Diözese Hildesheim gleichzeitig an einem mit Bundesmitteln geförderten Projekt der KBE, in dem Lerninteressierten unterschiedlicher Bildungsbereiche eine nachfrageorientierte, internetunterstützte Lernumgebung für ethische Diskurse angeboten wird. Neben klassischen Präsenzveranstaltungen werden die thematischen Inhalte im Internet mittels eines Bildungsservers weiterentwickelt und weitergeführt. Die Dokumente und virtuelle Diskussionsbeiträge zu dieser Tagung sind dokumentiert unter "www.treffpunkt-ethik.de".


9. Vortragsreihe:

"Religion im Gegenwind - Abbruch oder Umbruch?"

In dieser Vortragsreihe - ein gemeinsames Projekt zusammen mit der Thomas-Morus-Gesellschaft Hannover - die einmal pro Monat im Kirchenladen [ka:punkt] stattfindet, will die KEB der Frage nach dem Stellenwert von Religion in einer anscheinend postchristlichen Gesellschaft nachgehen.

Religion gehört zwar zum Leben des Menschen. Sie gibt Antworten auf "letzte" Sinnfragen, bietet Deutungsmuster individuellen und gesellschaftlichen Lebens und motiviert zu sozialem Handeln. Daraus resultieren mannigfaltige Wechselbeziehungen zwischen Religionen und Gesellschaften und für die europäische Geschichte ist dabei unstrittig, dass das Christentum in seinen vielfältigen Ausformungen und Gestalten, die Gesellschaften, die Staaten und ihre Institutionen, die Grundwerte und auch die politische Kultur nachhaltig geprägt hat.

Der Prozess der Säkularisierung ist weit fortgeschritten, wird aber durch die Herausbildung eines immer größeren religiösen Pluralismus begleitet. So ist es etwa Mode geworden, den biblischen Monotheismus für fast jedes Übel in der Welt (Totalitarismus, Gewalt, Intoleranz, moralische Überforderung) verantwortlich zu machen und das Lob des Polytheismus zu singen.


Es ist gelungen, für diese Reihe ausgewiesene Experten aus Theologie, Philosophie und Politik zu gewinnen, die - wie Henning Scherf - ihre Sichtweise von Religion mit zahlreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmern diskutieren.

 

Inhalte und Referenten in der Reihe waren bzw. sind:

Inhalte:

Referenten:

Christentum zwischen Säkularisierung und Fundamentalismus

Prof. Dr. Dr. Peter Antes, Religionswissenschaftler, Hannover

Monotheismus unter Beschuss - Religionskritik in der "Berliner Republik"

PD Dr. Jürgen Manemann, Theologe, Münster

Einübung ins Heidentum - Überlegungen zur postchristlichen Gesellschaft

PD Dr. Peter Nickl, Philosoph, Regensburg

Wie viel Religion braucht die Gesellschaft?

Dr. Henning Scherf, Bürgermeister und Präsident des Senats der Freien Hansestadt Bremen

Religionen in der entzauberten Welt - Polytheismus der Werte

Prof. Dr. Hans G. Kippenberg, Religionswissenschaftler, Bremen/Erfurt

Braucht der Mensch Religion?

Prof. Dr. Hans Joas, Soziologe, Erfurt

Das materialistische Weltbild und der Glaube an Gott

Prof. Dr. Dr. Franz von Kutschera, Philosoph, Regensburg

Christ sein heute - Religionsphilosophische Betrachtungen zu Romano Guardini

Dr. Thorsten Paprotny, Philosoph, Hannover

Religion und Ranking - Warum Religion bei PISA nicht auftaucht

Prof. Rolf Wernstedt, Kultusminister und Landtagspräsident a. D.

 

10. Fazit:

Mit der Reihe "KEB zum Thema" ist es der Katholischen Erwachsenenbildung in der Diözese Hildesheim gelungen, zu verschiedenen Fragestellungen Diskussionsbeiträge in den gesellschaftlichen Diskurs einzubringen und damit erfolgreich vor allem in Hannover wieder ein christliches Gesprächsforum für engagierte und interessierte Bürger/innen zu Themen und Tendenzen aus den Bereichen Religion, Ethik, Kultur und Gesellschaft zu platzieren.


Karl-Heinz Meilwes
Pädagogischer Leiter
Katholische Erwachsenenbildung
Region Hannover

(20.07.2004)

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GLOBAL.FAIR: eine mobile Erlebnis- und Lernausstellung des VNB zum Thema Welthandel, Fairer Handel und Globalisierung

Ein großer bunt besprühter Laster mit der Aufschrift "Global.Fair": hier werden keinesfalls Kaffeebohnen oder Orangen aus fairem Handel verladen - was hier transportiert wird ist Bildung.

"Global.Fair" ist eine mobile Erlebnis- und Lernausstellung zu den Themen Welthandel, Fairer Handel und Globalisierung. Im Inneren des Großraumtrucks können ungefähr zwölf Personen die multimedialen Rauminstallationen auf sich wirken lassen. Mit Hilfe eines 20-Minütigen Hörspiels können sie den Truck begehen und dabei Informationen von einer der sechs Identifikationsfiguren erhalten.

Die Besucher verfolgen den Weg der Produkte vom Anbau bis zur Vermarktung und werden an einer Station auf einen afrikanischen Markt, an der nächsten an die Börse und dann wieder in den Supermarkt oder Eine-Welt-Laden geführt. Wie ist die Situation der Bauern? Wer verdient welche Anteile an den Produkten? Was verändert sich, wenn fair gehandelt wird und bestimmte festgesetzte Preise gezahlt werden?

Wichtig an dieser modernen Methode ist, dass die Ausstellung zur Diskussion anregen soll und eben nicht vorgefertigte Lösungen oder Patentrezepte für politische Probleme präsentiert. Sehen, Fühlen und Handeln gehören genauso zum Konzept, wie die harten Fakten, die hier präsentiert werden.

Reinhold Bömer vom VNB, dem Verein Niedersächsischer Bildungsinitiativen e.V., der das Projekt in Zusammenarbeit mit dem Verband Entwicklungspolitik Niedersachsen initiierte: "Das Besondere an der Ausstellung ist dieser Perspektivenwechsel. Als Besucher versetze ich mich in die Situation eines Kaffeebauern in Honduras, einer Apfelsinenpflückerin in Brasilien oder einer jungen Frau in Ghana. Der Begriff Bildungsarbeit ist angemessen, weil es sich um ergebnisoffene Prozesse handelt: jeder Besucher muss nach der Ausstellung entscheiden, für welche Produkte er sich beim Kauf entscheidet, etc. Das ist also mehr als reine Informationsarbeit. Die Botschaft dahinter lautet "Diese Welt ist veränderbar, es kommt auf dich an!"


"Bewegliche Bildung erreicht Menschen" so lautet das Motto beim VNB. "Mit der mobilen Ausstellung im Großraumtruck wollten wir regionalen Initiativen ein medienwirksames und interessantes Lernmedium zur Verfügung zu stellen", so Reinhold Bömer vom VNB. "Mit dieser neueren Form dezentraler politischer Bildungsarbeit wollen wir vor allem Jugendlichen und jungen Erwachsenen erreichen und ihnen gesellschaftspolitische Themen nahe bringen." Seit 13 Jahren werden die Ausstellungen in Großraumtrucks vom VNB konzipiert. "Global.Fair" ist inzwischen die fünfte.

Für Reinhold Bömer sind diese mobilen Erlebnisausstellungen zukunftsweisende Projekte in der Erwachsenenbildung: "Die Ausstellungen behandeln Zukunftsthemen. Meistens sind es sperrige Themen wie Flüchtlinge und die weltweite Migrationsproblematik, Leben in Nord und Süd (Afrika - Europa), AIDS, usw. Sie wenden sich an die zukünftigen Entscheider, die jungen Leute von heute. Die Arbeitsweise geht ebenfalls zukunftsweisende Wege, weil mit der Zivilgesellschaft in Form von Schulen und Kirchengemeinden kooperiert wird. Außerdem geht es mit so einem "Edutainment-Projekt" darum, neue methodische Wege zu beschreiten, die die Elemente der Eventarbeit nutzen und dabei trotzdem auf dem Boden der Pädagogik bleiben."

Nähere Informationen zum Projekt gibt es auch im weltweiten Netz unter www.global-fair.de

 

Bilder der Eröffnungsveranstaltung

Presseresonanz

(17.06.2004)

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Bürgerschulen für Europa
- Kleine Ortschaften in ländlichen Räumen Europas entwickeln ihre Zukunft

Die Idee: Neue Bildungsorte für Erwachsenenbildung

In gemeinsamer Arbeit von Partnern aus Ungarn, Portugal, Estland und Deutschland wird seit 2002 eine innovative Projektidee für eine bürgerorientierte Erwachsenenbildung in Landgemeinden erprobt. Dabei sollen Menschen erreicht werden, die bisher nicht oder nur unzureichend Erwachsenenbildungsangebote wahrgenommen haben.
Der Aufbau dieser Bildungsorte, die treffend als Bürgerschulen bezeichnet werden, die Ermittlung des lokalen Weiterbildungsbedarfs und die daraus resultierende Entwicklung eines Bildungs- und Beratungsangebotes ist die zentrale Aufgabe in diesem Projekt, das unter Federführung der Ländlichen Erwachsenenbildung in Niedersachsen e.V. (LEB) bis zum Herbst 2005 umgesetzt werden soll.

Das Projekt wird durch das Programm Sokrates/Grundtvig der Europäischen Union maßgeblich gefördert. Die Ergebnisse der Projektarbeit werden laufend auf einer eigenen Internetseite bekannt gegeben und sollen nach Projektende allen interessierten Einrichtungen in der EU zur Verfügung stehen.
Ergänzend können sich während der Laufzeit korrespondierende Partner über den aktuellen Verlauf im Projekt informieren und nähere Kontakte herstellen. Diese - rechtzeitige - Schaffung von nationalen und internationale Netzwerken soll zu einer verstärkten Implementierung der Projektidee beitragen.

 

die Bürgerschule in Augustfehn / Niedersachsen

Die Projektpartner stellen sich vor:

Direkte Projektbeteiligte sind folgende Landgemeinden, Bildungseinrichtungen und gemeinnützige Stiftungen/Institute:

  • Ländliche Erwachsenenbildung in Niedersachsen e.V. - LEB (Deutschland)
    (Koordination des Projektes)
  • Freizeit- und Kulturkreis Bokel-Augustfehn (Deutschland)
  • Institut für Ökologie INPECO Monchique/Casais (Portugal)
  • Koordination Erwachsenenbildung ANDRAS (Estland)
  • Pädagogisches Institut Veszprem (Ungarn)
    (Evaluation des Projektes)
  • Gemeinde Bakonynana (Ungarn)
  • GemeindeVaroslöd (Ungarn)
  • Gemeinde Vertessomlo (Ungarn)
die Projektpartner Casais / Portugal
In allen beteiligten vier Ländern besteht dringender Bedarf an bildungspolitischem Engagement, um weitere Benachteiligungen der Menschen im ländlichen Raum zu verhindern. Alle Beteiligten (siehe obige Aufstellung) können dabei jeweils auf unterschiedliche Erfahrungen und unterschiedliche Art der Einbindung zurückgreifen. Wesentlicher Hintergrund für das Projekt sind speziell die Erfahrungen, die die Ländliche Erwachsenenbildung in Niedersachsen mit ihren eigenen - lokalen - Bildungsstätten und ihrer Projektarbeit für den ländlichen Raum bereits gesammelt hat.  
Die Ausgangslage und erste Aktivitäten in den einzelnen Ländern

Deutschland:
Geringe Förderung der Erwachsenenbildung im ländlichen Raum, aber speziell Erfahrung der LEB Niedersachsen mit örtlich akzeptierten Bildungsangeboten. daher möchte der Freizeit- und Kulturkreis Bokel - Augustfehn eine Mustereinrichtung Bürgerschule als Beispiel für ein ganzheitliches, aber lokal orientiertes und finanziell gut tragbares Model entwickeln.

Portugal:
Viele kleine Dorfschulen sind geschlossen worden. Die jungen Menschen verlassen die kleineren Dörfer um Arbeit an der Küste oder in den großen Städten aufzunehmen. Die Organisation / Stiftung INPECO möchte eine alte Dorfschule reaktivieren und durch eine ortsbezogene Erwachsenenbildung die Partizipations- und Zukunftschancen der Menschen in der Landgemeinde verbessern. Durch die Schule sollenneue Möglichkeiten für die Arbeits-und Lebensumwelt aufgezeigt werden: das Dorf gewinnt dadurch wieder Anschluß an die Entwicklung.

Estland:
Die Entwicklungsrückstände in den ländlichen Gebieten haben sich verstärkt: Gründe liegen in der verstärkten Abwanderung junger Menschen in die die städtischen Zentren (wie Tallin) und in den erheblichen
Strukturveränderungen der Landwirtschaft (Auflösung der Staatsbetriebe). Das führt auch zu einschneidenden Veränderungen im ökonomischen und sozialen Bereich und rüttelt damit an den Grundlagen des sozialen Zusammenhalts. Eine Gemeinde 50 km westlich von Tallin wird mit Unterstützung der Organisation ANDRAS eine Bürgerschule in einem ländlichen Ortsteil einrichten.

Ungarn:
Kleine Ortschaften haben erst vor kurzem
(1990) ihre politische Selbständigkeit wiedererlangt und z.T. eigene Kindergärten und Schulen (auch in Ortschaften mit 1.500 Einwohnern!) eingerichtet. Für die Bildung/Beratung/Betreuung nach der Schulzeit fehlt aber die Struktur einer Erwachsenenbildung.
Alle beteiligten ungarischen Gemeinden haben
Gebäude für die Bürgerschulen in ihren Ortschaften: Neben historischen Schulgebäuden werden auch Kulturhäuser und Internatseinrichtungen mit in den Aufbau der Erwachsenenbildungsarbeit einbezogen.

"Offenes Fenster für das 21- Jahrhundert" lautet in etwa übersetzt der Name der Bürgerschule in Monchique/Casais

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aufbauteam Bürgerschule Keila-Joa / Estland

Projektziele

 

 

Die Projektüberschrift "Neue Bildungsorte für die Erwachsenenbildung" weist schon auf die Zielrichtung des Projekts hin: Es wird dort angesetzt, wo bisher nur unzureichend oder gar nicht Angebote der Erwachsenenbildung wahrgenommen wurden - in den abseits gelegenen, kleinen Ortschaften im ländlichen Raum. Hier gibt es bisher keine Bildungsangebote für Erwachsene, insbesondere nicht solche, die speziell die lokalen und direkten Bildungsbedürfnise der ländlichen Bevölkerung aufnehmen. Hieraus resultiert auch die Absicht, alte Dorfschulen zu reaktivieren und für die lokale Erwachsenenbildung zu nutzen. Der historische Begriff "Bürgerschule" beinhaltet dabei auch Werte wie Bürgerengagement und Zukunftsorientierung, wurden doch diese Einrichtungen oft durch privates Engagement interessierter Bürgergruppen geschaffen, um für die Kinder in schulfernen Standorten die Bildungschancen zu optimieren. Im jetzigen Projekt sind nur die "Schüler" einige Jahre älter.

Diese neuen (alten) einzurichtenden Bildungsorte orientieren sich an traditionelle Treffpunkte der Menschen in den Ortschaften . Wenn z.B. eine alte Schule Standort für die Bürgerschule wird, kann ihre alte Bedeutung als Bildungs-, Kultur-, und Beratungsstelle wieder reaktiviert werden. Weitere Aufgaben aus den Segmenten "Verstärkung des Bürgerengagements" und "Zukunftssicherung im Sinne der Agenda 21" kommen jetzt hinzu.
Zusammenfassend ausgedrückt, sollen die Bürgerschulen Bildungs- und Beratungsbedarf vor Ort ermitteln und aufnehmen und damit den Zugang bildungsferner Gruppen zu den Möglichkeiten des lebenslangen Lernens erleichtern. Anhand der in einer Erhebung ermittelten, praxisnahen, lokalen Übungsthemen sollen unmittelbare Kenntniserweiterung, Erfahrung und Umsetzungsmöglichkeit für die beteiligten Menschen erlebbar werden. Dabei sollen die vielfältigen Möglichkeiten der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien zum Einsatz kommen. Die im Projektzeitraum positionierteBürgerschule soll im Ortsgeschehen ihren festem Platz erhalten und auch im Sinne einer Agentur für Ortsentwicklung begriffen werden.


Durch die gewollte und dauerhafte Ortsnähe der Bildungseinrichtung "Bürgerschule" wird der Bildungszugang für ältere Mitbürger, Behinderte und Frauen erleichtert, die bisher aus familiären oder Mobilitätsgründen nicht entfernt gelegene Angebote wahrnehmen können. Beispielhaft in den Partnerländern Ungarn und Estland werden insbesondere Minderheiten eine verstärkte Berücksichtigung erfahren können, gleiches gilt für Zuwanderer in Portugal und Deutschland.

die Bürgerschule Varoslöd / Ungarn in der Villa "Iglauer Park"

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

das Bürgerschulteam  Bakonynana / Ungarn

 

Folgende Projektziele sollen in der dreijährigen Projektphase gemeinsam mit den vor Ort lebenden Menschen für den jeweiligen Standort erarbeitet/erprobt werden und zur Etablierung einer lokalen Erwachsenenbildungeinrichung führen:

 

  • Einrichtung eines von der Bevölkerung angenommen Schulungs- und Aktivierungszentrums "Bürgerschule" / (dauerhafte Nutzung des "Bürger - Schulgebäudes" für lokales / lebenslanges Lernen der erwachsenen Bevölkerung)

  • Ermöglichung des bürgerschaftlichen Engagements und Unterstützung des Bewußtseins für die Notwendigkeit lebenslangen Lernens ( Etablierung eines periodischen Kursangebotes)

  • Bildungs- und Unterstützungsangebot für die Entwicklung nachhaltiger und ortsbezogener Dienstleistungen

  • Weiterbildung und Motivation für die Menschen in Landgemeinden

  • Überlegungen zur Umsetzung wesentlicher Gedanken der Agenda 21 im Sinne einer nachhaltigen Zukunftsentwicklung

  • Kommunale Entwicklungen fördern, begleiten und unterstützen = Lokale Erneuerung

  • Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien zur Überwindung räumlicher und zeitlicher Einschränkungen

  • Unterstützung der Anliegen von Frauen, Kindern ,Senioren, Behinderten und Minderheiten

  • Vermittlung von Sprachkompetenz (auch in Minderheiten- und Regionalsprachen)

  • Unterstützung/Beratung bei der Schaffung von Arbeitsplätzen im ländlichen Raum

In Vertessomlo/Ungarn unterstützen internationale Gemeindepartnerschaften die Bildungsarbeit

Umsetzung

Bis zum Jahresanfang 2004 konnte bereits folgendes erreicht werden (nur beispielhaft):

  • in allen beteiligten Gemeinden sind Bürgerschulen bzw. Lernstandorte eingerichtet
  • überall sind jetzt Weiterbildungen und Beratungen in Fragen Computer-Nutzung möglich
  • in allen Standorten wird ein Kursangebot erprobt, z. B. in Sprachen und Minderheitensprachen
  • die Teilnehmer der Kursangebote kommen alle aus dem ländlichen Raum; es beteiligen sich viele Frauen!
  • es gibt bereits eine umfangreiche europäische Vernetzung; viele Projektpartner sind / werden Partner in weiteren europäischen Netzwerken
  • im Projekt selbst gibt es für interessierte Einrichtungen / Vereine / Gruppen die Möglichkeit, korrespondierende Teilnehmer zu werden
Jung und Alt beim Naturschutzprojekt in Augustfehn/Niedersachsen

Bürgerschulen = Bildung und Beratung vor Ort. Lernstätte, die den Bildungs- und Aktivierungsbedarf vor Ort aufnimmt und auch bildungsfernen Gruppen die Möglichkeiten lebenslangen Lernens eröffnet.

 

Die Projektidee wird in allen vier beteiligten Ländern in Landgemeinden umgesetzt. Mit den drei Projektstandorten in Ungarn wird auch verstärkt die Möglichkeit eröffnet, die Netzwerkbildung lokaler Einrichtungen zu erproben: deshalb auch drei "Bürgerschulpartner" aus Ungarn. Grundsätzlich wird mit den genannten Zielen dem Memorandum ‚Lebenslanges Lernen' der Europäischen Union aus dem Jahr 2000 entsprochen. Dort wird in der Botschaft Nr. 6 ausführt, dass ein ganzheitliches Lernumfeld, organisiert an lokalen und täglichen Treffpunkten der Menschen als Triebfeder lokaler Erneuerungen dienen kann.

Musische Bildung in der Bürgerschule Varoslöd/Ungarn

 

Innovative Aspekte

Das Projektvorhaben ist innovativ, weil es bisher keine "Bürgerschulen" mit der genannten Aufgabenstellung in den ländlichen Räumen gibt. Lokale Bildungsansätze, die ganzheitliche Arbeitsweise und der Beitrag zur Ortsentwicklungbilden eine erheblicheErweiterung desWirkungsspektrums. Die Idee der Bürgerschule knüpft dabei an (historisch hergeleitete) Bestrebungen an, dass Bürger selbstorganisierte Bildungsmöglichkeiten einrichten, um für sich und ihre Kinder Partizipationsmöglichkeiten zu verbessern. So wird auch in den neuen Bürgerschulen die Mitbestimmung und das Mittragen des Bildungsangebotes durch die örtliche Gemeinschaft wesentlich sein. Durch das ortsnahe Engagement des Leiters der Bürgerschule wird eine dauerhafte Vertrauensposition geschaffen. So wird die Nähe zum bildungssuchenden Menschen geschaffen. Der Mitarbeiter wird zu einem festen Ansprechpartner in Bezug auf "lokale Zukunftsentwicklung". Die Nutzung neuer Technologie (IKT) erweitert die Möglichkeiten des Bildungszugangs, ohne jedoch die direkte Bindung zur Lokalität des Bildungsortes zu verlieren (lokale Umsetzung des neuen Wissens).

 

Innovativ durch:

  • Verbindung von Tradition/Vertrautheit und Neuerung

  • selbstbestimmte Bürgerschulen

  • nicht-Regierungsorganisationen als offizielle Träger der lokalen Bürgerschulen

  • jeweils einen Mitarbeiter als lokalen Bildungspartner vis-a-vis

  • ganzheitlichen Schulungsansatz, formelle und informelle Bildung und Beratung

  • Lernstandort für die Ortsentwicklung

  • Einsatz neuer Technologien und trotzdem tägliche, lokale Erreichbarkeit (Ort als Klassenzimmer)

  • Aufhebung von Benachteiligungen durch "fußläufige" Erreichbarkeit

 

Der pädagogische Ansatz wird im wesentlichen durch die unmittelbare Projektarbeit geprägt. So wird der Mitarbeiter vor Ort zum Beispiel parallele formelle (Schulung) und informelle Bildung anbieten. Das sehr anwendungsorientierte Prinzip "Learning by doing" wird durchgängig angewandt werden. So erlaubt der lokale Wirkungsraum und die Dauerhaftigkeit der Tätigkeit des Mitarbeiters eine Bekanntheit und Vertrautheit bei denMenschen, die - nach einiger Zeit - bis zur individuellen Weiterbildung- und Beratungsarbeit gehen kann - eine Herausforderung für Ideen, Kenntnisse und auch Einfühlungsvermögen des Projektmitarbeiters. Akteure sind somit alle Menschen in der Landgemeinde.
Unter den angegebenen Kategorien werden die Leiter der Bürgerschulen sehr direkten Nutzen ziehen, weil sie praktisch ihre eigenen Arbeitsplätze aufbauen! Durch die Aufgaben, die der Mitarbeiter im lokalen Bereich übernimmt, wird die gesamte tätige Gemeinschaft ihren Nutzen ziehen: sie können ständig mit ihm/ihr in Kontakt treten und das Wissen für die Umsetzung ihrer eigenen Arbeit und Ideen in Anspruch nehmen (Bürgerförderstelle). Das bedeutet, dass jeder durch die Arbeit des Mitarbeiters eine Unterstützung in seiner Arbeit erhalten kann. Insbesondere kann diesespositive und messbare Auswirkungen auf Bereiche der Wirtschaftsförderung, der Minderheitenfragen und der Förderung von Frauen und Senioren haben. Die Ergebnisse der Arbeit werden somit auch direkt von denen direkt genutzt werden können, die bisher (auch aufgrund von räumlicher Entfernung und/oder persönlicher Distanz) ihre Tätigkeit nicht effektiv gestalten konnten.
Insgesamt werden alle Einwohner der ländlichen Regionen von den neuen Bildungs- und Beratungsmöglichkeiten profitieren, da die gesamte Situation der erwachsenen Lernenden in den betreffenden Gebieten sich dadurch verbessert. Durch die gewollte und dauerhafte Ortsnähe der Bildungseinrichtung "Bürgerschule" wird der Bildungszugang für ältere Mitbürger, Behinderte und Frauen erleichtert, die aus familiären oder Mobilitätsgründen keine entfernt gelegenen Angebote wahrnehmen können. Beispielhaft werden in den Partnerländern Ungarn und Estland insbesondere Minderheiten eine verstärkte Berücksichtigung erfahren können, gleiches gilt für Zuwanderer in Portugal und Deutschland.

Freundschaftliches Treffen in Bakaynana/Ungarn

der erste Info-Abend in Keila/Estland

Deutschunterricht in der Bürgerschule in Bakaynana/Ungarn

vor der Bürgerschule im ungarischen Vertssolmlo

 

Heinz-Jürgen Ahlers, LEB-Projektkoordinator

Kontakt: hj.ahlers@ewetel.net

 

Obiger Text als Download (PDF)

 

Fotos: Ahlers (LEB)

STAND: 05.05.2004

 

 

 

 

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